Historische Grenzsteine in der Gemarkung Ehringen

Im Bereich der jetzigen Gemarkunsgrenze Ehringen wurden insgesamt 94 historische Grenzsteine unterschiedlichen Alters gefunden. Es fällt auf, dass im südlichen Teil keine Steine vorhanden sind. Grund dafür könnte die um ca. 1900 stattgefundene Verkopplung sein. Bei diesen Vermessungen wurden häufig Änderungen der bestehenden Gemarkungsgrenzen vorgenommen.

Um eine lückenlose Dokumentation zu gewährleisten sind die Punkte, ausgehend von der Scheidwarte, im Uhrzeigersinn mit 1 beginnend nummeriert. Ausnahme: Die Punkte an der „Heerstraße“. Sie sind Teil eines unten näher beschriebenen Grenzrezesses. Hier wurden die Originalnummern des Rezesses verwandt. Bilder dieser Steine können über den ersten Link unter der Karte angesehen werden. Der zweite Link unter der Karte zeigt gut erhaltene Exemplare aus den Bereichen Stromberg, Heidelbeerenberg, Burgberg und Elsberg.

Die im Westen von Ehringen an der „Heerstraße“ stehenden historischen Landesgrenzsteine sind Teil eines „Grenz-Rezesses“ (Vereinbarung) von 1738 zwischen den Fürsten von Waldeck und Hessen. Die historischen Unterlagen zu diesem Rezess wurden uns freundlicherweise von der Fürstlich Waldeckischen Hofbibliothek in Bad Arolsen zur Verfügung gestellt. (Auszüge siehe Link) Der dann 1739 neu versteinte Grenzzug beginnt ca. 400m südlich der Scheidwarte mit dem Stein Nr.1 und endet mit dem Stein Nr. 124  beim sogenannten Fürsteneck zwischen Naumburg und Ippinghausen. 95 Steine des Grenzzuges stehen noch an ihrem historischen Ort.

Die als Vermarkung verwendeten Sandsteine tragen auf der waldeckischen Seite einen erhabenen Waldecker Stern und auf der hessischen Seite einen erhabenen Hessischen Löwen. Bei Steinen mit geraden Nummern steht die Jahreszahl 1739 auf der waldeckischen Seite, bei den ungeraden auf der hessischen. Der gewölbte Kopf ist mit einer eingehauenen sog. „Weisung“ versehen, die die Richtung zum vorigen und zum folgenden Stein anzeigt. Der Ehringer Bereich endet mit dem Stein Nr. 16. Hier treffen die Gemarkungen  Ehringen, Lütersheim und Viesebeck zusammen.

Die östlich der Scheidwarte stehenden Steine begrenzen die Germarkungen Ehringen und Volkmarsen. Sie sind neueren Datums, in gutem Zustand und tragen auf der Ehringer Seite ein eingehauenes „E“ und auf Volkmarser Seite ein „V“. Im Bereich Stromberg wechselt die Inschrift in „ER“  für Ehringen im Westen und „M“  für Malsburg im Osten. Ein erneuter  Wechsel der Inschrift ist am Elsberg zu beobachten. Hier sieht man „ER“ im Norden,  die Buchstabenkombination „FL“ im Süden und die Jahreszahl 1780. „FL“ steht vermutlich für Friedrich Landgraf. Friedrich II (1720 – 1785) war ab 1760 Landgaf von Hessen.
Die Inschrift „FL“ ist auch an Steinen im Bereich des Rhödeser Berges, des Burgberges und im Elmarhäuser Wald zu sehen. In diesem Abschnitt sind Jahreszahlen allerdings recht selten eingemeißelt.


Mit Strg und + bzw. Strg und – kann die Karte vergrößert bzw. verkleinert werden.

Bilder der Steine Nr. 1 bis 16 des Grenzrezesses von 1738
Steine 2, 3,36, 50, 84, 154