Das Ehringer Ehrenmal

Das Ehrenmal wurde nach dem 1. Weltkrieg aus roten Ehringer Sandstein hergestellt und steht, auf einem mit großen Sandsteinplatten befestigtem Platz, zentral in der Nähe der Kirche. Es ist vom Steenweg aus über den ehemaligen Schulplatz zugänglich und wird an seiner Rückseite durch eine ca. 1,80 m hohe Sandsteinmauer begrenzt. Das Denkmal wurde damals mit Pferdefuhrwerken vom Steinbruch „Hermelit“ zum jetzigen Standort gebracht.

Es handelt sich um eine mehrfach gegliederte Stele aus rotem Sandstein, die mit einem Eisernen Kreuz bekrönt ist unter dem die Worte: UNSEREN OPFERN stehen.

Darunter ist als Halbrelief ein Stahlhelm eingearbeitet, der von Eichenlaub umrahmt ist. Rechts und links daneben standen früher die Jahreszahlen des 1. Weltkrieges 1914 und 1918 und unter diesen war jeweils eine Kugel angebracht. Die Jahreszahlen wurden wahrscheinlich nach dem zweiten Weltkrieg entfernt, weil das Denkmal danach als Mahnmal für beide Kriege dienen sollte und auch die rechte Kugel fehlt inzwischen. Unterhalb davon, ebenfalls im Halbrelief steht der Spruch: Den Gefallenen zur Erinnerung, den Lebenden zur Mahnung. Darunter folgten weitere Zeilen, die ebenso wie die Jahreszahlen entfernt wurden. An den Seiten der Stele sind ebenfalls Spuren von alter Schrift zu erkennen. Dort standen die Namen der Opfer aus dem 1. Weltkrieg.

Nachstehend ein Zeitungsartikel aus dem Kasseler Sonntagsblatt aus dem Jahre 1922:

§ Ehringen. Am 2. Advent hat auch unsere Gemeinde eine Ehrenschuld abgetragen. Unter großer Beteiligung fand eine Einweihungsfeier des Ehrendenkmals für unsere 52 Kriegsopfer statt. Um 2 Uhr wurde in der Kirche eine kurze Gedächtnisfeier abgehalten. Darauf bewegte sich der Zug zu dem in der Nähe der Kirche wie in einem Schmuckkästlein aufgerichteten Denkmal. Der Gesangsverein eröffnete die Feier durch musterhaften Vortrag des Chores „Morgenrot“.

Die Weihe hielt Herr Pfarrer Wendel. In erhebenden Worten wußte er die Opfer der Gefallenen ins Gedächtnis der Anwesenden zurückzurufen und den Angehörigen reichlichen Trost zu spenden. Darauf wurde die Abschrift der Urkunde, welche in einer versiegelten Flasche im Denkmal niedergelegt ist, verlesen. Die Gemeinde sang „Harre meine Seele“. Die Hinterbliebenen, die Gemeinde und sämtliche Vereine ehrten die Opfer durch Niederlegung von Kränzen, worauf der Gesangsverein das schöne Lied „Unter allen Wipfeln ist Ruh“ tadellos vortrug. Die Kriegskameraden umstellen darauf das Denkmal und ehrten ihre gefallenen Kameraden durch gemeinschaftlichen Gesang des Liedes: „Ich hatte einen Kameraden“. Mit Gebet und Segen schloß die erhebende Feier.

Den mächtigen roten Sandsteinblock ziert auf der Vorderseite ein ausgehauener Stahlhelm, umgeben von einem Eichenkranz und in erhabener Aufschrift die Widmung: „Den Gefallenen zur Erinnerung, den Lebenden zur Mahnung, den kommenden Geschlechtern zur Nacheiferung“.

Beide Seitenwände decken die Namen, Geburts- und Todestage der Opfer. Der Aufsatz trägt die Aufschrift „Unseren Opfern“. Einen würdigen Abschluß bildet das eiserne Kreuz. Das Denkmal ist von Ehringer Steinhauern sauber und korrekt ausgeführt und macht ihnen alle Ehre.

In den 1960 er Jahren wurden die hohe Sandsteinmauer und der Bodenbelag neugestaltet, sowie die Kupfertafeln mit den Namen der Opfer beider Weltkriege dahinter an der Mauer angebracht. Damit waren die Namen auf dem Denkmal auch nicht mehr notwendig.

Bis in etwa diese Zeit war der Denkmalplatz von den angrenzenden Gärten und dem belebten Schulplatz absperrt.

Mittlerweile hat sich das gesamte Areal geöffnet und in den umliegenden Bereichen finden Feste und Veranstaltungen statt. Spielende Kindern auf der Sandsteinmauer und am Ehrenmahl sind dabei kein seltener Anblick.

Am Volkstrauertag und bei Vereinsjubiläen (z.B. Feuerwehr, Männergesangsverein) werden immer noch Gedenkfeiern abgehalten. Die Gemeinde Ehringen hatte allein im 1. Weltkrieg 52 Kriegsopfer zu betrauern und im 2. Weltkrieg waren es 52 Tote und 14 Vermisste. Wahrscheinlich hatte fast jede Familie im Ort einen Toten zu beklagen. Dies ist sicherlich auch einer der Gründe dafür, dass das Gedenken auch heute noch eine gewisse Bedeutung für die Einwohner hat.

In 2008 wurden die seitlichen Hecken und Büsche entfernt, zwei neue Kugelahorne angepflanzt und in 2010 wieder zwei Ruhebänke (Spende „Eiringer Platt“) aufgestellt. In 2015, am Morgen des 24. Juni war aus ungeklärter Ursache, das krönende Sandsteinkreuz auf dem Ehrenmahl verschwunden, warum ist bis heute ungeklärt. Nach eingehender Suche wurde es, durchgebrochen, in einer angrenzenden Hecke gefunden. Unter fachmännischer Mithilfe der Fa. Leffringhausen (Steinmetz aus Wolfhagen) konnte jedoch der alte Zustand wieder hergestellt werden.

Vom „Ehrendenkmahl für die Gefallenen des I. Weltkrieges“, über „Heldengedenktage am Kriegerdenkmal“ bis zum heutigen „Volkstrauertag am Ehrenmal für die Gefallenen der Kriege“ sind mittlerweile fast hundert Jahre vergangen.

Nicht nur das Denkmal selbst, sondern auch dessen Wahrnehmung, verändern sich im Laufe der Zeit.